Berlin hat Ende März ausgelassen das 50 jährige Bestehen des römischen Vertrags gefeiert. Ebenso wie im letzten Bericht, die Vernachlässigung der Kultur, ist nun auch das Thema EU bedauernswerterweise nicht in der französischen Wahlkampagne zu finden…
Schweigen scheint die Losung der Kandidaten, die es in einer kurzfristigen – das heißt opportunistischen – Weise vorziehen, die alltäglichen Beschäftigungen des Volkes zufrieden zu stellen. Max Weber dreht sich bestimmt in seinem Grab um …
Trotz seiner Bedeutung leidet das Thema EU unter Missverständnissen und schwacher Kommunikation unter den Franzosen, welche die Gründung der Union ermöglicht und gefördert haben.
Ségolène Royal und Francois Bayrou seien bereit, ein zweites Referendum über einen neuen Verfassungsvertrag zu organisieren, während Sarkozy vorhabe, mit Deutschland und den 25 anderen Länder den vorhandenen Text zu vereinfachen. Aber in seinem Programm ist spürbar, dass die EU vor allem eine Projektion Frankreichs sein sollte…
Hier taucht deutlich auf, was der europäische Abgeordnete Francois Bourlanges das „malentendu fondateur“ (Gründungsmissverständnis) nennt, nämlich die ursprünglichen gegensätzlichen Auffassungen Europas in Frankreich und in Deutschland, was das Ziel der Union und die Frage der Macht betrifft.
Frankreich hat von Anfang an Europa als einen Hebel für Macht betrachtet. De Gaulle wollte durch die Gründung Europas „l´ambition francaise“ (den französischen Ehrgeiz) äußern und den Einfluss Frankreichs weltweit verstärken.
Hinzukommt, dass Frankreich seinen Einfluss mit der Verteidigung seiner Sprache verbunden hat, ohne anzuerkennen, dass Englisch Arbeitssprache geworden ist. Dies führt zur Abschwächung der Position Frankreichs innerhalb der EU, das widerwillig auf Englisch seine Erklärungen schreibt oder mit den anderen debattiert.
Im Gegenteil dazu hat man auf der anderen Seite des Rheins die Schaffung einer europäischen Gemeinschaft im Hinblick auf die Geschichte als einen Weg zur Erlösung („la rédemption allemande“) betrachtet. Europa sollte alle potentiellen nationalistischen Anwandlungen Deutschlands vermeiden und den Frieden auf dem Kontinent ermöglichen.
Das zweite Missverständnis betrifft laut Charles Wyplosz[1] die wirtschaftliche Integration. Frankreich hat dazu beigetragen, die Fortschritte Europas im wirtschaftlichen Bereich zu erweitern.
Aber heutzutage ist es kein Motor mehr der europäischen Integration. Im Gegensatz dazu wird es als Bremse betrachtet, denn Begriffe wie Marktwirtschaft oder Liberalismus sind seiner Meinung nach Schimpfworte oder gefährliche angloamerikanische Ideen.
Frankreich wird schlussendlich öfter isoliert in Europa und seine Stimme wird immer weniger berücksichtigt: Ablehnung einer Reform der CAP, Ablehnung der Bolkenstein-Richtlinie und der möglichen Änderungen, Kritik an der ECB und so weiter. Frankreich löst stets den Wirtschaftsmarkt auf, indem es sie mit Regeln, Verzerrungen, Harmonisierungen und Besonderheiten auf der europäischen Ebene betreuen will.
Es wäre vielleicht Zeit, die Franzosen daran zu erinnern, was die EU ihnen gegeben hat und geben wird. Es wäre vielleicht auch Zeit, denKandidaten bewusst zu machen, was Zusammenarbeit und Zusammenleben in einer Gemeinschaft bedeutet. Die anderen Mitgliedstaaten erwarten eine Reaktion …
Stéphanie BLUTEAU
Quellen :
Bourlanges, Jean-Louis – Sciences-po Paris www.jlbourlanges.com/
Wyplosz, Charles – L’Europe dans la campagne – 6. April 2007 www.telos-eu.com
www.lemonde.fr
[1] Institute of International Affairs, Genf

0 commentaires jusqu'à présent ↓
Il n'y a pas encore de commentaire… Donnez le coup d'envoi en complétant le formulaire ci-dessous.