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Präsidentschaftswahlen in der V. Republik : eine Retrospektive

avril 20, 2007 · Laisser un commentaire

Ursprünglich sah die Verfassung von 1958 vor, dass der Präsident indirekt von Wahlmännern gewählt wird. Zum ersten Präsident der V. Republik wurde Charles de Gaulle 1958 mit mehr als Dreiviertel der Stimmen gewählt. Sieben Jahre später 1965 wurde er erneut für eine weitere siebenjährige Amtszeit bestätigt, diesmal aber durch eine Direktwahl. De Gaulle war seinerzeit 75 Jahre alt und präsentierte den Franzosen kein präzises Wahlprogramm, sondern forderte sie nur auf, ihm erneut das Vertrauen auszusprechen. Denn sonst – so de Gaulle – würde das Lande ins Chaos stürzen. Die Opposition bezeichnete mit Blick darauf die Wahlkampagne de Gaulles als „Ich oder das Chaos“. Zur großen Enttäuschung de Gaulles, der bereits im ersten Wahlgang auf die absolute Mehrheit gehofft hatte, musste er in eine Stichwahl mit dem Sozialisten François Mitterrand treten, den er mit 55,20 % der Stimmen bezwang. Seine Amtszeit endete etwa ein Jahr nach den Unruhen von Mai 1968 mit dem gescheiterten Referendum über die Schaffung der Regionen und die Reform des Senats, an dem er seine politische Karriere geknüpft hatte.

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Nach diesem fluchtartigen Rücktritt trat Ex-Premierminister Georges Pompidou als Kandidat die Nachfolge de Gaulles an. Er konnte die Wahl mit einer soliden Mehrheit von 58,21 % der Stimmen gegen den Zentrums-Kandidaten Alain Poher, der als Präsident des Senats das Amt des Präsidenten nach dem Abgang de Gaulles kommissarisch führte, für sich behaupten. Nach dem Tod Pompidous 1974 und noch am Tag dessen Begräbnisses erklärte sich Jacques Chaban-Delmas als Kandidat für die Präsidentschaftswahlen. Chaban-Delmas zählte zu den großen Figuren der Résistance und gehörte auch der gaullistischen Partei UDR (Union des démocrates pour la République) an. Sein Gegenspieler Valéry Giscard d’Estaing vertrat die zweite konservative Partei (UDF – Union pour la démocratie française) neben den Gaullisten.

Für die Sozialisten stellte sich Mitterrand erneut auf. Zum ersten Mal traten seinerzeit die Trotzkistin Arlette Laguiller und der rechtsextreme Jean-Marie Le Pen an. Sie ahnten damals wohl noch nicht, dass diese Kandidatur die erste einer langen ununterbrochenen Serie sein würde, die nun in den Wahlkampf 2007 gipfelt. In der Stichwahl standen sich Giscard und Mitterrand gegenüber und lieferten sich 1974 das erste TV-Duell. Mit einer sehr knappen Mehrheit – gerade mal 400 000 Stimmen als Mitterand – gewann Giscard die Wahl für sich.

Bei den Wahlen 1981 war erneut der rechte Flügel geteilt: Giscard trat für die UDF an, wohingegen Jacques Chirac, Bürgermeister von Paris und Parteivorsitzender der neuen von ihm gegründeten Partei RPR (Rassemblement pour la République), für die Gaullisten kandidierte. Die Sozialisten wurden zum dritten Mal von Mitterrand repräsentiert. Als Mitterrand zum ersten sozialistischen Präsidenten der V. Republik mit 51,76 % der Stimmen gewählt wurde, musste Giscard den Elysée-Palast verlassen.

1988 ist einer der wohl heftigsten Wahlkämpfe. Die zwei Köpfe der Exekutive – Präsident Mitterand und Premierminister Chirac – prallten in der ersten Cohabitation der V. Republik aufeinander. Mitterrand schlug Chirac mit 54,02 % der Stimmen und konnte so insgesamt 14 Jahre im Amt bleiben. Die Ära Mitterrand endete mit der Wahl von 1995, in der Mitterand schon sichtbar krank war.

In der Präsidentschaftswahl 1995 kandidierten Chirac und Edouard Balladur für die RPR, was zum Bruch zwischen den beiden alten Freunden führte. In der ersten Runde ließ Chirac Balladur hinter sich und bezwang schließlich auch Lionel Jospin, den Kandidaten der Sozialisten, in der Stichwahl mit 52, 64 % der Stimmen. Nach 20 Jahren Hoffnung wurde Chirac zum fünften Präsident der V. Republik gewählt.

Mit einem Donnerschlag endete die erste Runde der Präsidentschaftswahl 2002. Der Sozialist Jospin musste sich denkbar knapp bei seinem zweiten Anlauf vom Rechtsextremisten Le Pen geschlagen geben. Daraufhin erklärte er seinen Rücktritt aus der politischen Szene. Mit mehr als 82 % der Stimmen wurde Chirac gegen Le Pen in seinem Amt bestätigt. Diese überragende Zustimmung galt weniger der Person Chiracs, sondern zeigte vielmehr die Abneigung der Wähler gegen den Rechtsextremisten. Noch heute spricht man vom „Schock des 21. April“.

 

Carole DEWEZ

 

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