Familienpolitik ist momentan in aller Munde. Inzwischen ein sehr aktuelles Thema in Deutschland. Dies trifft auch für Frankreich zu. Allerdings wird die Debatte dort mit ganz anderen Nuancen geführt. Denn in Frankreich ist vieles, worüber zurzeit in Deutschland diskutiert wird, bereits eine Selbstverständlichkeit.

Die Familienpolitik in Frankreich hatte traditionell immer einen sehr hohen Stellenwert und bot viele Anreize, um die Geburten zu fördern. Das Ergebnis liegt auf der Hand: eine hohe Geburtsrate (durchschnittlich entfallen auf eine Frau 1,9 Kinder). Gleichzeitig weist Frankreich eine höhere Beschäftigungsquote von Frauen als in Deutschland auf. Mehr als 80 Prozent der Frauen zwischen 25 und 50 Jahren arbeiten, davon mehr als Zweidrittel ganztags. Deutschland hat nicht nur eine niedrige Geburtenrate, sondern auch einen hohen Anteil an Müttern, die nicht arbeitstätig sind. Im Durchschnitt bringen die Frauen 1,3 Kinder zur Welt, obwohl 2,1 Kinder erforderlich wären, um die Bevölkerung stabil zu halten.
Wie ist die Lage in Frankreich? Die Schulpflicht greift dort erst ab einem Alter von sechs Jahren. Ab drei Jahren gehen die Kinder in die staatlichen Kindergärten, die eine kostenlose Vollzeitbetreuung bieten. Kleinkinder von zweieinhalb Monaten bis drei Jahren können die Eltern entweder in einer Kinderkrippe oder im eigenen Haushalt durch eine Tagesmutter betreuen lassen. Durch einen konsequenten Ausbau von Betreuungsplätzen seit den achtziger Jahren gibt es heute für 41% aller französischen Kleinkinder einen Krippenplatz. Der Mutterschaftsurlaub dauert prinzipiell 16 Wochen, kann aber zeitlich verdoppelt werden – ab dem dritten Kind bei vollem Lohnausgleich. 2002 wurde der Vaterschaftsurlaub eingeführt.Nicht verwunderlich ist, dass daher die Diskussion in Frankreich nur darüber geführt wird, die Anzahl der Krippenplätze zu erhöhen.
Deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich herrschen auch in den Einstellungen zu Kindern, in den Rollenbildern aber auch in den Möglichkeiten, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Die Ergebnisse einer Anfang Mai 2007 erschienenen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach sprechen Bände. Erstmals wird aufgezeigt, dass sich schon das Selbstbild in beiden Ländern deutlich unterscheidet. Nur jeder vierte Deutsche hält sein Land für kinderfreundlich, in Frankreich sind es hingegen 80 Prozent der Bevölkerung. Weiterhin ist jede zweite Französin, aber nur jede fünfte deutsche Frau der Meinung, dass Nachwuchs und Beruf sich gut miteinander vereinbaren lassen.Sehr unterschiedlich wird auch die Frage beurteilt, ab welchem Alter die Kinder in einer Kinderkrippe betreut werden können. Nur jede zehnte deutsche Frau hält es für ratsam, ihr Kind mit weniger als einem Jahr in die Krippe zu geben. Dagegen hat jede zweite Französin kein Problem damit.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren schaffen. Bis 2013 sollen die Betreuungsplätze von derzeit 250 000 auf rund 750 000 verdreifacht werden. So könnten etwa 35 Prozent der Kleinkinder betreut werden, derzeit sind es rund zwölf Prozent.Streit gibt es jedoch über die Finanzierung. Die große Koalition hat sich im Koalitionsausschuss in Berlin am 14. Mai 2007 geeinigt, vom Jahr 2013 an in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für alle Kinder unter drei Jahren zu gewähren. Ein Drittel der Gesamtkosten von rund zwölf Milliarden Euro wird der Bund übernehmen und dabei sich nicht nur an den Investitions-, sondern auch an den Betriebskosten beteiligen. Offen ist aber noch, auf welchem Wege sich der Bund am Ausbau der Krippen beteiligt und wo das Geld herkommen soll. Die Koalition vereinbarte zudem ein Betreuungsgeld, das ab 2013 Eltern erhalten sollen, die ihr Kind in den ersten Lebensjahren zu Hause erziehen.Endlich ein Hoffnungsschimmer für alle jungen Frauen, die weder auf Beruf noch auf Kinder verzichten wollen. Vielleicht ändert sich so auch eines Tages das Selbstverständnis?
Carole Dewez
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Accord sur la garde des enfants de moins de trois ans « Deutsch-französische interparlamentarische Zeitung/ Journal interparlementaire franco-allemand // juillet 30, 2007 à 2:43 |
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