Bienvenue chez les Ch’tis

Mit 20 Millionen verkauften Eintrittskarten ist „Bienvenue chez les Ch’tis“ der bisher erfolgreichste französischer Kinofilm Frankreichs, bald werden dort mehr Kinokarten über den Ladentisch gegangen sein, als für „Titanic“. Und trotzdem wird er wohl nicht weltweit ein großer Erfolgsfilm sein. Warum?

Dany Boons Film erzählt die Geschichte eines ganz normalen Südfranzosen, der von seiner Firma nach Nordfrankreich zwangsversetzt wird, weil er etwas ausgefressen hat. Seine Familie bricht in Panik aus, malt sich das Schlimmste aus und die Frau bleibt sogar im schönen Süden, weil sie „einfach nicht kann“. Am Nordpol, wo die Sonne nie scheint, wo es immer kalt und dunkel ist und wo nur Monster leben, nein, da kann sie nicht leben.

Voller Ängste begibt sich Philippe Abrams also in die neue Stadt und entdeckt nach ein paar lustigen Szenen charmante KollegInnen. Viel Komik des Films basiert auf dem unverständlichen Dialekt Nordfrankreichs, und der guten Laune der Menschen im Norden.
Als der Film Ende Februar in die Kinos kam, war nicht zu erwarten, dass ein Film über eine Region mit hoher Arbeitslosigkeit, wenig Tourismus und wenig Attraktivität soviel Erfolg haben könnte. Aber der liegt an der einfachen Darstellung des Alltags von Menschen ohne Vorurteilen im Kontakt mit Menschen voller Vorurteile. Der Konflikt der Mentalitäten Norden versus Süden ist in der französischen Gesellschaft präsent, wenn auch nicht so stark wie in der witzigen filmischen Darstellung. Positiver Nebeneffekt: In der Resonanz hat der Film zu einem neuen Interesse an der schönen Nordregion geführt: die Regionalregierung hat ein Nutzungsrecht der Bilder, die Biermarke in dem Film erfreut sich eines neuen Interesses und der Tourismus könnte dieses Jahr einen besonderen Zuwachs erlangen. Sogar das Wort „biloute“, nordisches Kosewort, könnte einigen Quellen zufolge den Eingang in die einsprachigen Wörterbücher des Jahres 2009 schaffen. Was bei der starken Lexikografietradition der französischen Sprache eine besondere Ehre bedeutet.

Vor dem Hintergrund des anhaltenden Erfolgs des Films wurde darüber verhandelt, ihn fürs Ausland zu synchronisieren oder gar die Geschichte an einem anderen Ort neu zu drehen. „Welcome to the Sticks“ soll die englische Fassung sein, Will Smith will vielleicht den Film neu drehen und die Variante „Welcome to the Blacks“ nach Amerika bringen. Das ist wohl besser so, denn wie soll man in Deutschland oder Amerika die Verballhornung regionaler, kultureller und sprachlicher Identitäten einer Kultur verstehen, in der man sich nicht bewegt? In Deutschland könnte man sich auch vermutlich einen armen Sachsen vorstellen, der nach Bayern zwangsversetzt wird und dort entdeckt, dass die Bayern auch etwas anderes als Würstchen und Bier zu sich nehmen, dass es dort auch Städte gibt und dass nicht alle ein Bild von Stoiber in ihrem Wohnzimmer aufgehängt haben.

Adeline DUVIVIER

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