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Un couple franco-allemand fort malgré la presse négative ?

Nicolas Sarkozy a profité de la cérémonie de remise du prix Charlemagne pour contrer l’image d’un couple franco-allemand qui a perdu de son importance, voire qui se divise. Selon le Président de la République, il ne faut pas croire la presse – soit en France, soit en Allemagne ou partout en Europe – qui a remis en question l’avenir d’un couple franco-allemand fort. Au contraire, Nicolas Sarkozy considère Angela Merkel comme une femme courageuse et intelligente qui a rassemblé l’Europe autour du traité de Lisbonne par un effort acharné.

Si Nicolas Sarkozy a souligné son admiration pour Angela Merkel le 1er mai 2008, le couple franco-allemand avait auparavant brillé à la une des journaux en raison du report de la réunion Blaesheim et du projet de l’Union pour la Méditerranée cher au Président de la République. Ainsi le journal anglais « The Economist » a publié un article intitulé « The Franco-German relationship. The awkward partners » (paru le 15 mars) qui a confronté les styles, les idées et les démarches des deux leaders en mettant en avant les problèmes potentiels, tant au niveau bilatéral qu’au niveau européen. Effectivement, la construction européenne a toujours connu des avancées dès lors que le couple franco-allemand s’est accordé sur un sujet. L’accord entre les deux a influencé de manière positive des idées ouvrant de nouveaux volets de l’Union Européenne comme par exemple la politique monétaire commune avec l’introduction de l’euro. Le couple a lancé des projets d’avant-garde comme le manuel d’histoire franco-allemand mais c’était aussi ce couple qui avait influencé les acquis du pacte de croissance et de stabilité en 2004. Néanmoins, un regard complet sur le couple franco-allemand doit absolument tenu compte des institutions, des coopérations et des réseaux qui dépassent la relation entre chefs de gouvernement français et allemands. L’amitié franco-allemande a été un projet conçu d’en haut, en l’occurence par Adenauer et de Gaulle, mais qui s’est transformé au cours des années en normalité. La normalité à grande échelle représente aujourd’hui à bien des égards un acquis et un risque en même temps.

L’acquis de ce rapprochement est évident : nous ne sommes plus seulement des Français ou des Allemands mais des Européens. Nous regardons ARTE et nous achetons un camembert français au supermarché allemand et sur un plan politique nous avons toujours l’espoir que les diplomates français et allemands s’accorderont à fin de la journée sur des propositions communes. Les fonctionnaires dans les deux pays ont l’occasion de faire des expériences dans le pays partenaire pour ainsi mieux comprendre les méthodes de travail et les cultures différentes. L’OFAJ agissait contre la nature oublieuse de l’homme auprès de la jeunesse et promeut encore aujourd’hui de nombreux échanges entre les jeunes allemands et français. Voilà à quel point la coopération franco-allemande s’est normalisée. Cependant, une normalisation porte en soi le risque de l’oubli, de l’ennui et de la fatigue.

La médiation d’un litige possible entre les dirigents français et allemands est-elle née de cette fatigue et de cet ennui? De même que quelques-uns réclament M Blair comme nouveau Président du Conseil Européens pour « rendre l’Europe plus sexy », le couple franco-allemand pourrait profiter d’une médiatisation accrue de ses deux leaders. S’agit-il donc d’un effet « Tokyo Hotel » au niveau politique pour le couple franco-allemand, c’est-à-dire le phénomène d’une nouvelle reconnaissance par une voie intermédiaire ? Sans aucun doute, toute l’Allemagne connaît aujourd’hui la nouvelle femme du Président français mais une nouvelle reconnaissance des atouts du couple franco-allemand est loin d’apparaître. Ce manque de reconnaissance pèse encore plus lourd compte tenu du fait que le fondement des relations franco-allemandes continue à fonctionner silencieusement. Déjà Aristote dans son éthique de Nicomaque, qui avait pour but de guider le politique dans son travail, a fait l’éloge du milieu entre deux vertus. Par conséquent, les relations franco-allemandes devraient chercher à éviter les extrêmes ce qui sera finalement aussi le travail de Mme Merkel et de M Sarkozy.

Anne TIEDEMANN

Frankreichs Außenpolitik: zwischen Sonderweg und Multilateralismus

Frankreichs neuem Präsidenten stehen große innenpolitische Herausforderungen bevor. Wirtschaftswachstumwachstum, Sozial- und Fiskalpolitik haben den Wahlkampf geprägt. In außenpolitischen Fragen waren die Kandidaten wesentlich zurückhaltender, obwohl der Präsident nach Außen quasi vollmächtig agiert. Worauf beruht die französische Außenpolitik heute und was sind ihre Perspektiven?

 

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Der Quai d’Orsay (Aussenministerium) in Paris

Anlässlich der zahlreichen europäischen Konflikten in Europa erschien das Konzept der „Raison d´Etat“: Anerkannt wurde, dass die eigenen praktischen Interessen eines modernen Staates nach Außen von den religiösen und traditionellen Orientierungen eines Staates abweichen können. Diese werden traditionell vom Staatschef garantiert: Richelieu, Louis XIV, Napoléon sind bekannte Beispiele des Vorrangs der Exekutive im Bereich der Außenpolitik. Auch heute übernimmt der Staatschef die Verantwortung in der Außenpolitik: er verhandelt und ratifiziert die Verträge, ist Chef der Armee und verfügt über den Code zur Aktivierung der Atomwaffen. („Die nukleare Abschreckung bin Ich“ so Francois Mitterrand, Staatschef von 1981 bis 1995.) Dadurch ergibt sich, dass weniger das Außenministerium, sondern vielmehr die außenpolitischen Berater des Präsidenten die Außenpolitik Frankreichs prägen.

Heute steht Frankreichs Außenpolitik vor zwei Haupttendenzen, die nicht unbedingt gegeneinander wirken. Einerseits gilt immer noch die Tradition der Unabhängigkeit: als Nuklearmacht seit den 60er Jahren und ständiges Mitglied des VN-Sicherheitsrats verfügt Frankreich über einen bestimmten Handlungsspielraum. Historisch hat Frankreich oft Panaschdiplomatie geführt, wie de Gaulle bei der „Krise des leeren Stuhls“ im Jahre 1965 oder Mitterrand beim Besuch in belargerter Sarajevo im Jahre 1992. Einen Grund für diesen so genannten Sonderweg kann in der traditionellen Angst des Abstiegs und der Demütigung gefunden werden. Der Wiener Kongress 1815, die Niederlage gegen Preußen 1870 und das Trauma 1940 gelten unter diesem Gesichtspunkt als Meilensteine für die Definition der französischen Außenpolitik. Frankreichs aktuelle Strategie in dieser Hinsicht lautet „Eine Mehrheit der Meinungen bilden um Fortschritt zu schaffen und eine Sperrminderheit zu schaffen um die Hauptinteressen des Landes zu bewahren“. Frankreichs Engagement für die kulturelle Vielfalt durch die Entwicklung der Francophonie ist ebenfalls Teil dieses Sonderwegs.

Derzeit orientiert sich die Diplomatie Frankreichs also an drei Prioritäten: Verhandlung, Multilateralismus und Dialog. Im Jahre 2005 trug Frankreich durch finanzielle Unterstützung in Höhe von 250 Mio. € und dem Einsatz von ca. 10 000 Soldaten zu Friedensoperationen bei. Während der Irak Krise im Jahre 2003 wurde auch deutlich gemacht, dass Frankreich ohne Mandat einer Internationalen Organisation nicht zum Truppeneinsatz bereit ist. Universelle Werte werden oft verwendet, um diese Züge der französischen Außenpolitik zu rechtfertigen. Das Erbe der französischen Revolution und das Ideal der Menschenrechte prägen ihre offizielle Darstellung. Es geht aber auch nicht ohne Paradoxen: die Diplomatie der „Grande Nation“ hat besondere Schwerpunkte in Afrika (wie in der Elfenbeinküste) und im Nahen- und Mittleren Osten, die durch die koloniale Vergangenheit geprägt sind. Außerdem leidet die Vertrauenswürdigkeit der französischen Entwicklungshilfe unter der Tatsache, dass ein Großteil davon aus Schuldenerlassen besteht.

In einer globalisierten Welt steht der Diplomatie Frankreichs neue Herausforderungen wie Terrorismus, illegaler Handel und Umwelt bevor. In diesem Rahmen scheint die Priorität auf zwischenstaatliche Beziehungen als Hindernis: die französische Diplomatie hat kein zufrieden stellendes Verhältnis zu nicht-staatlichen Akteuren wie NGOs. Auch die offizielle Position Frankreichs seit der Ära Chirac für eine „eingedämmte Globalisierung“ widerspricht mehreren protektionistischen Stellungnahmen Frankreichs, vor allem was die Gemeinsame Agrarpolitik der EU betrifft. Es steht also viel auf dem Spiel für den neuen Präsidenten.

Im Allgemeinen hängt Frankreichs Rolle in der Welt von der Position innerhalb der EU ab: Für Frankreich ist die EU ein Macht-Multiplikator. Die Wiederbelebung der Rolle Frankreichs innerhalb der EU wird der neu gewählte Präsident sich als Priorität setzen. Ohne eine engere Koordination mit den europäischen Partnern ist eine effiziente Diplomatie in der heutigen Welt kaum vorstellbar.

Deutsche Familienpolitik: Selbstbild spricht Bände

Familienpolitik ist momentan in aller Munde. Inzwischen ein sehr aktuelles Thema in Deutschland. Dies trifft auch für Frankreich zu. Allerdings wird die Debatte dort mit ganz anderen Nuancen geführt. Denn in Frankreich ist vieles, worüber zurzeit in Deutschland diskutiert wird, bereits eine Selbstverständlichkeit.
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Die Familienpolitik in Frankreich hatte traditionell immer einen sehr hohen Stellenwert und bot viele Anreize, um die Geburten zu fördern. Das Ergebnis liegt auf der Hand: eine hohe Geburtsrate (durchschnittlich entfallen auf eine Frau 1,9 Kinder). Gleichzeitig weist Frankreich eine höhere Beschäftigungsquote von Frauen als in Deutschland auf. Mehr als 80 Prozent der Frauen zwischen 25 und 50 Jahren arbeiten, davon mehr als Zweidrittel ganztags. Deutschland hat nicht nur eine niedrige Geburtenrate, sondern auch einen hohen Anteil an Müttern, die nicht arbeitstätig sind. Im Durchschnitt bringen die Frauen 1,3 Kinder zur Welt, obwohl 2,1 Kinder erforderlich wären, um die Bevölkerung stabil zu halten.

Wie ist die Lage in Frankreich? Die Schulpflicht greift dort erst ab einem Alter von sechs Jahren. Ab drei Jahren gehen die Kinder in die staatlichen Kindergärten, die eine kostenlose Vollzeitbetreuung bieten. Kleinkinder von zweieinhalb Monaten bis drei Jahren können die Eltern entweder in einer Kinderkrippe oder im eigenen Haushalt durch eine Tagesmutter betreuen lassen. Durch einen konsequenten Ausbau von Betreuungsplätzen seit den achtziger Jahren gibt es heute für 41% aller französischen Kleinkinder einen Krippenplatz. Der Mutterschaftsurlaub dauert prinzipiell 16 Wochen, kann aber zeitlich verdoppelt werden – ab dem dritten Kind bei vollem Lohnausgleich. 2002 wurde der Vaterschaftsurlaub eingeführt.Nicht verwunderlich ist, dass daher die Diskussion in Frankreich nur darüber geführt wird, die Anzahl der Krippenplätze zu erhöhen.

Deutliche Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich herrschen auch in den Einstellungen zu Kindern, in den Rollenbildern aber auch in den Möglichkeiten, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Die Ergebnisse einer Anfang Mai 2007 erschienenen Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach sprechen Bände. Erstmals wird aufgezeigt, dass sich schon das Selbstbild in beiden Ländern deutlich unterscheidet. Nur jeder vierte Deutsche hält sein Land für kinderfreundlich, in Frankreich sind es hingegen 80 Prozent der Bevölkerung. Weiterhin ist jede zweite Französin, aber nur jede fünfte deutsche Frau der Meinung, dass Nachwuchs und Beruf sich gut miteinander vereinbaren lassen.Sehr unterschiedlich wird auch die Frage beurteilt, ab welchem Alter die Kinder in einer Kinderkrippe betreut werden können. Nur jede zehnte deutsche Frau hält es für ratsam, ihr Kind mit weniger als einem Jahr in die Krippe zu geben. Dagegen hat jede zweite Französin kein Problem damit.

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) will mehr Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren schaffen. Bis 2013 sollen die Betreuungsplätze von derzeit 250 000 auf rund 750 000 verdreifacht werden. So könnten etwa 35 Prozent der Kleinkinder betreut werden, derzeit sind es rund zwölf Prozent.Streit gibt es jedoch über die Finanzierung. Die große Koalition hat sich im Koalitionsausschuss in Berlin am 14. Mai 2007 geeinigt, vom Jahr 2013 an in Deutschland einen Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz für alle Kinder unter drei Jahren zu gewähren. Ein Drittel der Gesamtkosten von rund zwölf Milliarden Euro wird der Bund übernehmen und dabei sich nicht nur an den Investitions-, sondern auch an den Betriebskosten beteiligen. Offen ist aber noch, auf welchem Wege sich der Bund am Ausbau der Krippen beteiligt und wo das Geld herkommen soll. Die Koalition vereinbarte zudem ein Betreuungsgeld, das ab 2013 Eltern erhalten sollen, die ihr Kind in den ersten Lebensjahren zu Hause erziehen.Endlich ein Hoffnungsschimmer für alle jungen Frauen, die weder auf Beruf noch auf Kinder verzichten wollen. Vielleicht ändert sich so auch eines Tages das Selbstverständnis?

Carole Dewez

Nicolas Sarkozy, ein national-liberaler Paradox?

In den Fluren vom Bundestag kann man seit den Ergebnissen der französischen Präsidentschaftswahl am 6. Mai manchmal hören, dass die Franzosen nicht reif genug seien, um eine Frau zu wählen. Jedoch vergisst man, dass Umfragen festgestellt haben, dass ein großer Teil der Bevölkerung mit einem Dilemma konfrontiert war: sie hätte gern Royal mit dem Programm von Sarkozy als Präsident gewählt. Schwer zu verstehen für deutsche Köpfe. Wie kann nämlich Nicolas Sarkozys Programm so attraktiv aussehen, wenn es nationale Argumente mit liberalen Reformen mischt? Das scheint ziemlich paradox für unsere Nachbarn.
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Dennoch ist es das beste Mittel, um die französischen Wähler zu verführen. Wie wir schon in einer vorherigen Ausgabe dieser Zeitschrift erwähnt haben, haben die Franzosen nämlich Angst vor der Globalisierung und nehmen nur ihre negativen Aspekte auf dem Arbeitsmarkt wahr. Nicolas Sarkozy ist sich dessen bewusst, dass die französische Gesellschaft sich nicht bereit fühlt, eine liberale Umwälzung zu akzeptieren. Gleichzeitig ist er davon überzeugt, dass nur liberale Reformen die Erstickung des französischen Models stoppen können. Deswegen hat er vor, eine mehr sozial-orientierte wirtschaftliche Politik zu implementieren, indem er diese Liberalisierung mit einer protektionistischen Rede gemäßigt. Dafür braucht er auch Opfer, damit die Franzosen verstehen, wer das Böse verkörpert. Nämlich Jean-Claude Trichet, Präsident der europäischen Zentralbank und Peter Mandelson, europäischer Kommissar für Handel, die Nicolas Sarkozy gern verantwortlich für die unpopuläre Entscheidungen darstellt.

Hinzu kommt, dass Nicolas Sarkozy sein Programm seit langer Zeit vorbereitet hat und seine Ideen im Bewusstsein der Franzosen wie Tee ziehen gelassen hat. Er hatte seit mehreren Jahren festgestellt, dass er da sein werde, wo man ihn nicht erwarten würde. Er hat also seine Zeit dem Besuch von Gefängnissen, Feuerwehren und antikriminaler Polizeiabteilungen gewidmet. Er hat auch vor Anfang dieser Wahlkampagne versucht, seine Ideen zu testen und die Reaktionen der Leute darauf zu analysieren.

Er hat 2002 mit den Ergebnissen der letzten Präsidentschaftswahl bemerkt, dass ein Teil der Wähler der rechten Partei enttäuscht war. Er stellte fest : „ ce que la gauche anglaise met en pratique, il serait temps que la droite française ait le courage de le proposer“. Das heißt zum Beispiel für ihn: „Service minimum“ in den öffentlichen Verkehrsmittel wie in dem Métro in Paris, Abschaffung der „revenu minimum d’insertion“ für die Arbeitslosen, die eine vorgeschlagene Stelle ablehnen. Er hat damals ein Buch geschrieben, Libre (Edition Pocket), das seine politische Auffassung einer neuen rechten hemmungslosen Partei vorstellt.

2002 hat er auch erfahren, dass ein deutlicher Teil der rechten Wähler für die rechtsextremen gewählt haben. Seitdem lag sein Ziel daran, diese Wähler wieder anzuziehen. Er war Innenminister und wollte das Gefühl von Unsicherheit in Frankreich reduzieren, ohne ein zu autoritäres Bild zu verbreiten. Und das hat geklappt.

Nicolas Sarkozy ist jung – 52 Jahre alt -, hat ungarische und jüdische Ursprünge, und vielleicht wichtiger: er hat weder Sciences-Po noch die ENA (école nationale d’administration) während seines Studiums besucht, wie alle Politiker in Frankreich. Das macht ihn zwar nicht zu einer Frau, aber seine Wahl kann trotzdem als revolutionär betrachtet werden.

Stephanie Bluteau

Cannes 2007 : Der deutsche Film ist wieder da

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Der deutsche Film feiert bei den Filmfestspielen in Cannes, die nunmehr zum 60. Mal stattfinden, eine Art internationaler Wiederauferstehung: Zwei Jahre nach Wim Wenders « Don’t Come Knocking » ist mit Fatih Akins « Auf der anderen Seite » wieder ein deutscher Film im Wettbewerb vertreten. Der 33-jährige Akin, schon in 2004 mit dem goldenen Bären der Berlinale und dem europäischen Filmpreis für « Gegen die Wand » prämiert, war bereits im letzten Jahr auf der Croisette zugegen, damals allerdings als Mitglied der Jury. Innerhalb der offiziellen Auswahl, aber außer Konkurrenz wird Oscar-Preisträger Volker Schlöndorff in einer Sondervorführung seinen in Kasachstan gedrehten Film « Ulzhan » zeigen. Und auch in den Nebenreihen des Festivals gehen deutsche Nachwuchsregisseure an den Start. In einem Interview lobte Festivalpräsident Gilles Jacob die positive Entwicklung des deutschen Films nach schwächeren Jahren, in denen deutsche Produktionen im Wettbewerb nicht vertreten waren.

PRESSEREVUE aus Frankreich: Was darf sich die Achse Paris-Berlin vom Besuch des Präsidenten Sarkozy erhoffen?

« Die Achse Berlin-Paris ist noch nicht reif für die Antiquitätenabteilung »

Übereinstimmend wird in der französischen Presse die hohe symbolische Bedeutung der ersten Reise des neuen Staatspräsidenten nach Berlin hervorgehoben. Auch wenn es zur Tradition geworden ist, dass der neu gewählte französische Staatspräsident Deutschland den ersten Auslandsbesuch abstattet, findet zum ersten Mal diese Reise unmittelbar nach der Amtseinführung statt, bemerkt LE NOUVEL OBSERVATEUR. Festgestellt werden auch der Generations- und Stilwechsel und die herzliche Atmosphäre zwischen der Bundeskanzlerin und dem neuen Präsidenten. In LE MONDE wird mehrfach der „fast religiöse“ Wortschatz von Nicolas Sarkozy und Angela Merkel – die deutsch-französische Beziehung sei ein „Wunder“ und für Frankreich „heilig“ – zitiert. Vom Wechsel im Elysée-Palast an diesem Mittwoch erwartet François Heisbourg, Direktor der Pariser Stiftung für strategische Forschung, neue Impulse für das bilaterale Verhältnis“ in LA TRIBUNE. Er unterstreicht, dass viele gemeinsame Ansichten den Präsidenten und die Kanzlerin verbinden, unter anderen ihr pragmatisches Vorgehen oder ihre reservierte Einstellung zu Russland.Diese gemeinsamen Blickwinkel sollen die Zusammenarbeit zwischen Paris und Berlin erleichtern, besonders auf der bodenständigen Ebene eines „Europas der Projekte“.
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Verbreitete Skepsis

In Teilen der französischen Presse wird allerdings auch an die Skepsis in Deutschland während des französischen Wahlkampfes bezüglich der Einstellung Sarkozys zur deutsch-französischen Freundschaft, zur EU mit seiner EZB-Kritik und seiner betont patriotischen Industriepolitik erinnert. In LIBERATION wird darauf hingewiesen, dass Nicolas Sarkozy im Wahlkampf und schon früher die Bedeutung des deutsch-französischen Paares eher heruntergespielt habe – und daran bezweifelt, dass die Reise nach Berlin diesen ersten Eindruck korrigieren könne. Nicolas Sarkozy und Angela Merkel am meisten verbinde, so LA TRIBUNE, sei nicht zuletzt ihre Auffassung, das traditionelle Doppel aus Deutschland und Frankreich sei « als Motor für das heutige Europa alleine nicht mehr kräftig genug« . Über das Sonderthema EADS gibt außerdem LE FIGARO den skeptischen Tönen besonderen Raum: auch wenn er in Berlin die Notwendigkeit betonte, « gemeinsam eine Lösung zu finden » habe der neue Präsident nie einen Hehl aus seiner Ablehnung der deutsch-französischen Parität bei EADS gemacht. „Der Himmel des Paares wird nicht wolkenlos sein“, so LIBERATION.

Not einer Wiederbelebung des « deutsch-französischen Motors » für die EU

Wenn ein Pärchen nicht 24 Stunden abwarten kann, um sich zu wiederzusehen, heißt das entweder dass die Leidenschaft brennend ist, oder der Bedarf dringend“, schreibt LA TRIBUNE. Laut der Zeitung bestehe der Bedarf, das deutsch-französische Band aufzuwärmen. Es gäbe ein gemeinsames Interesse, bei der Suche nach einem Ausweg für die EU-Verfassungskrise aufs Tempo zu drücken. Als neuer Präsident müsse Nicolas Sarkozy dringend Frankreich wieder an den Tisch der Verhandlungen bringen. Der EU-Ratsvorsitzenden Merkel könnte eine enge Abstimmung mit dem französischen Staatspräsidenten dabei helfen, dass der EU-Gipfel Ende Juni die Mitgliedstaaten in der Verfassungsfrage « schon einen Schritt voranbringt ». Begrüßt von LES ECHOS wird in dieser Hinsicht Sarkozys Absicht, zur Unterstützung Merkels bei unwilligen EU-Mitgliedsstaaten durch « diplomatische Konsultationen » für einen vereinfachten Vertrag zu werben. Juliette Roger

Blau – weiß – grün? Das Thema Umwelt im Wahlkampf

In einer Ende Januar veröffentlichten Ausgabe titelte das britische Magazin The Economist: „The greening of America“. Auf der Titelseite zeigte die Freiheitsstatue mit einer Sparglühbirne in der Hand, den Weg zur umweltfreundlichen Wirtschaftordnung. Ob die Vereinigten Staaten die Herausforderung eingehen werden, bleibt noch offen. Wie sieht aber das Thema Umwelt im französischen Wahlkampf aus? Ist ein „Greening of French politics“ in der Kampagne zu beobachten?

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In der französischen Bevölkerung besteht ein deutliches Interesse am Thema Umwelt. Eine wichtige Umfrage des Forschungsinstituts CEVIPOF hat im letzten Februar gezeigt, dass Umwelt das viertwichtigste Thema nach Arbeitslosigkeit, Kaufkraft und soziale Ungleichheit ist. Die Umwelt wäre laut dieser Umfrage den Franzosen so wichtig wie die Sicherheit, ein ebenso umstrittenes Thema.

Themen wie nachhaltige Entwicklung oder Erdeerwärmung werden aber kaum erwähnt, während Sozialpolitik, Wirtschaftsreform und nationale Identität im Vordergrund stehen. Im November 2006 schien die Umweltpolitik aber endlich eine zentrale Rolle spielen zu dürfen. In einer politischen Landschaft ohne bedeutende grüne Partei (im Gegensatz zu Deutschland) kam die Initiative von der Zivilgesellschaft: Nicolas Hulot, ein für sein umweltfreundliches Engagement bekannter und beliebter Fernsehmoderator und Umweltschützer, appellierte an die Politik und schlug allen Kandidaten vor, den „Ökopakt 2007“ zu unterzeichnen. Die drei Spitzenkandidaten Nicolas Sarkozy (mitte-rechts), Ségolène Royal (Sozialisten) und François Bayrou (mitte), aber auch Marie-George Buffet (Kommunistische Partei) und Dominique Voynet (die Grünen) unterstützten die Initiative. Mehr als 700 000 Bürger haben inzwischen den Pakt unterzeichnet.

Dieser Pakt beinhaltet zehn Hauptthemen, wie Energie, Verkehr oder Gesundheit und führt fünf Vorschläge ein, wie die Schaffung eines Umweltvizepremiers und die Einführung einer ökologischen Besteuerung. Nicolas Hulots Initiative wurde heftig debattiert. Die Kritik richtete sich unter anderem gegen die Unterwerfung der Politik gegenüber den Umweltexperten gegenüber. Die theatralische Unterzeichnung des Pakts wurde mehrmals als Komödie bezeichnet, während Nicolas Hulot auf seiner Webseite das Scheitern der Politiker im Bereich Umwelt als Grund der „Diskreditierung der Politik“ nannte.

Mehr als fünf Monate nach der Initiative werden Kernthemen, wie Erderwärmung, nachhaltige Entwicklung und Frankreichs traditionelle Unterstützung der Kernenergie kaum noch erwähnt. Die existierenden Programme der Kandidaten werden wenig debattiert, als ob mit der Unterzeichnung Nicolas Hulots Pakts bereits alles für die Umwelt gemacht wäre. Außerdem hat die Unterstützung des Pakts die Programme der Kandidaten nicht viel verändert: die Schaffung eines Umweltvizepremiers wurde im Allgemeinen in die Programme eingefügt, was politisch kaum ein Risiko bildet. Gegner des Pakts behaupten, der Ökopakt habe die Umwelt aus der Kampagne ausgeschlossen, während seine Befürworter über die niedrige Bereitschaft der Kandidaten über Umwelt zu sprechen Kritik übten.

Eins steht fest: es ist Nicolas Hulot bisher nicht gelungen, Umweltbewusstsein zu einem politischen Erfolgsmittel zu machen. Am 28. März warnte er in Le Monde: „Die Priorität ist zum Hilfswerkzeug geworden“. Ob dieser zivilgesellschaftliche Druck legitim und wirksam genug wird, um die ökologischen Herausforderungen zu meistern, bleibt noch abzuwarten.

Pierre Hausswalt